
Illustration: KI-generiert
Zahngesundheit bei Hund und Katze: Zähne sanft putzen
Saubere Zähne und rosiges Zahnfleisch tragen viel dazu bei, dass dein Hund und deine Katze mit Freude fressen, spielen und kuscheln. Mit einer Zahnbürste, einer Zahnpasta für Tiere und etwas Geduld wird das Zähneputzen zu einem vertrauten Ritual, das euch beiden guttut. Zusammen mit einem regelmäßigen Blick ins Maul und der Kontrolle in der Tierarztpraxis bleiben die Zähne deines Lieblings lange gesund.
Da Hunde und Katzen Zahnschmerzen oft lange verbergen, kann eine liebevolle Zahnpflege zu Hause deinem Liebling viele Beschwerden im Maul ersparen. Sie gehört ebenso zur Pflege deines Tieres wie das Bürsten des Fells und lässt sich mit etwas Übung gut in euren Alltag einfügen. Beim Zähneputzen lernst du das Maul deines Lieblings außerdem genau kennen und bemerkst Veränderungen an Zähnen und Zahnfleisch schon früh.
Wie Zahnstein entsteht und das Zahnfleisch entzündet
Auf den Zähnen bildet sich jeden Tag ein feiner Bakterienbelag namens Plaque, der sich vor allem am Zahnfleischrand sammelt. Schon innerhalb eines Tages beginnen Mineralien aus dem Speichel wie Calcium diesen Belag zu verhärten, und nach wenigen Tagen ist daraus Zahnstein geworden, den eine Zahnbürste nicht mehr lösen kann. Durch die Bakterien und ihre Abbauprodukte entzündet sich mit der Zeit das Zahnfleisch, und diese Zahnfleischentzündung heißt in der Tiermedizin Gingivitis.
Gesundes Zahnfleisch hat eine zarte, korallenrosa Farbe, während es sich bei einer Gingivitis rot oder lila färbt, am Rand anschwillt und bei Berührung leicht blutet. In diesem Stadium bildet sich die Entzündung noch vollständig zurück, wenn die Beläge gründlich entfernt werden und die Zähne danach sauber bleiben. Hält sie länger an, greift sie auf die Bänder und den Knochen über, die den Zahn im Kiefer halten. Daraus entsteht eine Parodontitis, die bleibende Schäden hinterlässt und Zähne mit der Zeit lockern kann. Beim Hund zeigt sie sich meist ab einem Alter von vier bis sechs Jahren und bei manchen Katzen schon ab dem ersten Lebensjahr.
Eine Studie des Royal Veterinary College in London aus dem Jahr 2021 zeigt die Verbreitung von Erkrankungen des Zahnhalteapparats anhand der Behandlungsdaten von gut 22.000 Hunden aus 784 britischen Tierarztpraxen. Bei etwa jedem achten Hund war innerhalb eines Jahres eine Parodontalerkrankung vermerkt, besonders oft bei kleinen Rassen wie dem Toypudel und dem King Charles Spaniel sowie beim Greyhound, während das Risiko mit steigendem Körpergewicht sank. Für Katzen fasst das Cornell Feline Health Center Studien zusammen, nach denen mindestens jede zweite Katze über vier Jahren eine Form von Zahnerkrankung hat und in manchen Untersuchungen sogar neun von zehn.
Zahnprobleme bei Hund und Katze früh erkennen
Ein deutlicher Mundgeruch fällt dir oft als Erstes auf und weist zusammen mit sichtbaren Belägen am Zahnfleischrand auf Zahnstein und eine beginnende Entzündung hin. Aufmerksam werden darfst du auch bei zögerlichem Fressen und einer plötzlichen Vorliebe für weiches Futter, bei vermehrtem Speicheln oder wenn dein Tier beim Kauen den Kopf zur Seite neigt, wie es Katzen mit schmerzenden Zähnen häufig tun. Blutungen aus dem Maul, eine Schwellung an Kiefer oder Gesicht sowie ein lockerer oder abgebrochener Zahn sind weitere Anzeichen, bei denen sich eine baldige Rücksprache mit deiner Tierarztpraxis empfiehlt. Verfärbt sich ein einzelner Zahn rötlich braun, lila oder grau, kann eine Entzündung im Zahninneren dahinterstecken, die deine Tierärztin oder dein Tierarzt gern genauer ansieht.
Hunde und Katzen verbergen Schmerzen im Maul häufig, sodass ein Zahnproblem schon eine Weile bestehen kann, bevor sich ihr Verhalten sichtbar verändert. Bei Katzen gilt das besonders für die Zahnresorption, eine sehr häufige Veränderung mit einem Abbau der Zahnsubstanz von innen her. Sichtbar wird sie oft erst als kleine rosafarbene Stelle am Zahnfleischrand, wenn der Zahn schon stark geschädigt ist. Da ihre Ursache noch unbekannt ist und sich die Zahnresorption meist nicht verhindern lässt, sind regelmäßige Kontrollen in der Tierarztpraxis für Katzen besonders wertvoll.
Bei Welpen beginnt der Zahnwechsel mit etwa 14 Wochen und dauert rund drei Monate, während er bei Kitten in die Zeit zwischen dem vierten und dem siebten Lebensmonat fällt. Bleibt dabei ein Milchzahn neben dem nachwachsenden bleibenden Zahn stehen, kann er Zahnstellung und Biss stören und wird deshalb am besten bald in der Tierarztpraxis entfernt. In diesen Monaten lohnt sich ein regelmäßiger Blick ins Maul, der deinem jungen Tier zugleich zeigt, dass Berührungen an Lefzen und Zähnen ganz selbstverständlich sind.
Zähne putzen bei Hund und Katze Schritt für Schritt
Das tägliche Zähneputzen gilt in der Tiermedizin als Kern der Zahnpflege zu Hause, weil es die Plaque entfernt, bevor sie zu Zahnstein verhärtet. Gelingt das nicht an jedem Tag, wischst du die Zähne am besten mindestens alle zwei bis drei Tage mit einem Stück Mullgaze ab, das du um den Finger wickelst. Geputzt werden nur die Außenseiten der Zähne, da die Zunge die Innenseiten selbst sauber hält.
Für die Pflege eignen sich eine Zahnbürste für Tiere und eine Zahnpasta, die eigens für Hunde oder Katzen hergestellt ist. Zahnpasta für Menschen bleibt dagegen im eigenen Badezimmer, denn manche Sorten enthalten das für Hunde giftige Xylit und auch für Katzen kann sie schädlich sein. Die Zahnpasta für Tiere darf dein Liebling beim Eingewöhnen zunächst in Ruhe beschnuppern und probieren, sodass sie ihm schon vor dem ersten Putzen vertraut ist.
Bewährt hat sich eine behutsame Eingewöhnung in kleinen Schritten, für die bei Katzen rund vier Wochen empfohlen werden. Zuerst schleckt dein Tier etwas Zahnpasta vom Finger, danach lernt es die Bürste kennen, und schließlich hebst du sanft die Lefze an und führst die Bürste im Winkel von etwa 45 Grad am Zahnfleischrand entlang. Nach jedem Schritt gibt es Lob oder ein Leckerli, ganz so wie beim Üben von Sitz und Rückruf, und erst wenn dein Liebling entspannt mitmacht, geht ihr gemeinsam zum nächsten Schritt über.
Ist das Zahnfleisch bereits deutlich gerötet oder blutet es, lässt du die Zähne am besten zuerst in deiner Tierarztpraxis ansehen, bevor du mit dem Putzen beginnst. Entzündetes Zahnfleisch schmerzt bei Berührung, und manche Tiere wehren sich dann gegen jede Bewegung am Maul, sodass die Behandlung der Entzündung dem Zähneputzen vorausgeht. Nach der Reinigung in der Praxis gehört das Putzen häufig zur weiteren Behandlung einer Gingivitis, und das Praxisteam zeigt dir gern, wie du dabei vorgehst.

Unser Tipp
Heb beim Kuscheln einmal in der Woche ganz sanft die Lefze deines Lieblings an, schau dir Zähne und Zahnfleisch in Ruhe an und belohne ihn danach mit einem Leckerli. Ein Foto mit dem Handy bei Tageslicht und aus demselben Blickwinkel zeigt dir über die Monate, ob sich Beläge bilden oder die Farbe des Zahnfleischs verändert. Beim nächsten Termin in deiner Tierarztpraxis hast du die Bilder dann gleich zur Hand.
Kauartikel und Zahnpflegefutter als Ergänzung
Neben dem Zähneputzen tragen Zahnpflegefutter, Kauartikel und Leckerlis für die Zähne sowie Gele, Wasserzusätze und Sprays dazu bei, Plaque und Zahnstein zu verringern. Sie ergänzen die Zahnbürste und bieten sich besonders an, wenn dein Tier das Putzen erst nach und nach annimmt. Welche Produkte ihre Wirkung in Prüfungen gezeigt haben, listet der Veterinary Oral Health Council (VOHC) auf seiner Website und deine Tierarztpraxis empfiehlt dir gern, was zu deinem Tier passt.
Bei Hunden wirkt sich festes Trockenfutter günstig auf die Zähne aus, und auch für Katzen gibt es Trockenfutter und Snacks, die beim Kauen Beläge abtragen. Welche Sorte zu deinem Liebling passt, besprichst du am besten bei der nächsten Untersuchung mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt. Bei Katzen kommen auf tierärztliche Empfehlung außerdem ein Schutzgel gegen Plaque oder eine Versiegelung der Zähne infrage.
Beim Kauen schonst du die Zähne deines Hundes mit weicheren Kauartikeln, denn sehr harte Dinge wie Knochen und Geweih, Hufe und Steine oder Spielzeuge aus hartem Kunststoff und Nylon können Zähne mit der Zeit abnutzen oder abbrechen lassen. Manche dieser Gegenstände können außerdem Magen und Darm verletzen oder verstopfen. Ein abgebrochener Zahn gehört in die Tierarztpraxis, wo geprüft wird, ob das empfindliche Innere des Zahns freiliegt und behandelt werden muss.
Zahngesundheit in der Tierarztpraxis: Kontrolle und Zahnreinigung
Bei der jährlichen Untersuchung schaut deine Tierärztin oder dein Tierarzt auch ins Maul deines Tieres und rät dir je nach Alter, Rasse und Zustand der Zähne gegebenenfalls zu häufigeren Kontrollen. Für eine gründliche Untersuchung mit Röntgenaufnahmen der Kiefer und für eine Zahnreinigung bekommt dein Tier eine Narkose, denn nur so lassen sich alle Zähne bis unterhalb des Zahnfleischrands in Ruhe untersuchen. Die Röntgenbilder zeigen dabei auch Veränderungen an den Wurzeln und am Knochen, die von außen noch nicht zu sehen sind.
Bei der Zahnreinigung entfernt das Praxisteam Plaque und Zahnstein mit Ultraschall- und Handinstrumenten oberhalb und unterhalb des Zahnfleischrands und poliert die Zähne anschließend. Eine Reinigung ohne Narkose verbessert dagegen nur das Aussehen der Zähne, weil sie die Beläge unter dem Zahnfleischrand nicht erreicht, an denen die Entzündung ihren Ursprung hat. Lockere, abgebrochene oder durch Knochenabbau geschädigte Zähne werden bei dieser Gelegenheit gezogen, während sich manche abgebrochenen Zähne mit einer Wurzelbehandlung erhalten lassen. Katzen kommen nach dem Ziehen kranker Zähne erstaunlich gut zurecht, sobald das Gewebe verheilt ist.
Nach einer Parodontitis legt deine Tierarztpraxis je nach Zustand der Zähne fest, ob eine erneute Reinigung schon nach drei Monaten oder erst nach einem Jahr ansteht. Zu Hause halten tägliches Zähneputzen und bei Bedarf ein Gel gegen Plaque das Ergebnis der Reinigung lange frisch. Für Zahnbehandlungen in Narkose lohnt sich ein Blick in die Bedingungen einer OP- oder Krankenversicherung, ob Zahnoperationen eingeschlossen sind oder eigene Wartezeiten haben.
Checkliste für gesunde Zähne
- Zähne täglich putzen
- Zahnpasta für Tiere wählen
- Nur die Außenseiten putzen
- Jeden Schritt belohnen
- Zahnfleisch regelmäßig ansehen
- Weichere Kauartikel anbieten
- Milchzähne im Blick behalten
- Zähne jährlich kontrollieren lassen
Fazit
Auf den Zähnen von Hund und Katze bildet sich täglich Plaque, die innerhalb weniger Tage zu Zahnstein verhärtet und das Zahnfleisch entzündet. Eine Gingivitis bildet sich bei sauberen Zähnen zurück, während eine Parodontitis den Zahnhalteapparat dauerhaft schädigt und kleine Hunderassen häufiger trifft. Mundgeruch, gerötetes oder blutendes Zahnfleisch, zögerliches Fressen und vermehrtes Speicheln weisen auf Zahnprobleme hin, die Hunde und Katzen oft lange verbergen.
Behutsam über mehrere Wochen eingeübtes tägliches Putzen der Außenseiten mit einer Zahnpasta für Tiere hält die Beläge gering und wird durch Zahnpflegefutter, Kauartikel und Gele ergänzt. Sehr harte Kauobjekte wie Knochen oder Geweih können Zähne abbrechen lassen. Untersuchung, Röntgen und Zahnreinigung in Narkose erreichen auch die Bereiche unter dem Zahnfleischrand, und bei Katzen wird ein von Zahnresorption betroffener Zahn meist gezogen.
Die Angaben geben den Stand vom 22. Oktober 2026 wieder. Grundlage sind die Kapitel des MSD Veterinary Manual zu Zahnerkrankungen bei Hunden und Katzen, die Hinweise des Cornell Feline Health Center und des Riney Canine Health Center der Cornell University sowie eine Studie des Royal Veterinary College zu Parodontalerkrankungen bei Hunden (O’Neill und andere, 2021). Der Beitrag ersetzt keine tierärztliche Beratung im Einzelfall.
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Redaktion Early Paws


