
Illustration: KI-generiert
Herbstweide für Pferde: Bergahorn erkennen, sicher grasen
Im Herbst färben sich die Bäume rund um die Weide golden und rot, und viele Pferde genießen die klare, kühle Luft beim Grasen. Mit einem aufmerksamen Blick auf den Bergahorn am Weiderand und einer großzügigen Portion Heu bleibt die Herbstweide für dein Pferd ein schöner und entspannter Ort.
Pferde verbringen auch im Herbst gern viele Stunden auf der Weide, wo sie grasen, sich bewegen und im Kreis ihrer Herde zur Ruhe kommen. Für die Gesundheit deines Pferdes lohnt es sich in dieser Jahreszeit, die Bäume am Rand der Weide und in ihrer näheren Umgebung einmal etwas genauer anzusehen. Ein bestimmter Baum verdient dabei besondere Aufmerksamkeit, und mit ein paar einfachen Gewohnheiten lässt sich die Weidezeit trotzdem unbeschwert genießen.
Warum der Bergahorn für Pferde giftig ist
Samen, Keimlinge und Blätter des Bergahorns enthalten den Stoff Hypoglycin A, der bei Pferden die Muskulatur angreifen kann. Größere Mengen davon lösen bei Pferden die atypische Weidemyopathie aus, und bei dieser ernsten Muskelerkrankung ist eine rasche tierärztliche Behandlung besonders wichtig. Denselben Stoff enthält der Eschen-Ahorn, der hierzulande nicht heimisch ist und vor allem als Parkbaum wächst oder gelegentlich verwildert vorkommt.
Die an vielen Weiderändern ebenfalls wachsenden Arten Spitzahorn und Feldahorn gelten dagegen als unbedenklich, weshalb sich ein genauer Blick auf die Art lohnt. Fälle treten vor allem im Herbst mit viel Samen und Laub auf der Weide auf und seltener im Frühjahr, wenn aus den Samen junge Keimlinge sprießen. Besonders aufmerksam bist du am besten nach kühlen Tagen, denn Frost oder Temperaturen im einstelligen Bereich begünstigen die Erkrankung.
Häufiger betroffen sind jüngere Pferde, die viele Stunden auf einer kurz abgefressenen Weide stehen und dort wenig zusätzliches Futter bekommen. Wie empfindlich ein einzelnes Pferd auf den Stoff reagiert, ist von Tier zu Tier sehr verschieden, weshalb manchmal nur ein Pferd und manchmal mehrere Tiere einer Herde betroffen sind. Gerade beim Futter und bei der Weidezeit kannst du deshalb selbst viel für dein Pferd tun.
Bergahorn erkennen: Blätter und Flügelsamen
Der Bergahorn ist ein großer heimischer Laubbaum, der in Wäldern und Hecken ebenso wächst wie an Feldrändern und auf Höfen. Seine Blätter sind groß und lang gestielt und in fünf Lappen mit stumpf gesägtem Rand geteilt, die durch spitze Buchten voneinander getrennt sind und oben dunkelgrün, unten matt graugrün aussehen. Platanen tragen ähnliche Blätter, die meist aber nur drei Lappen haben und einzeln am Zweig sitzen, während Ahornblätter einander paarweise gegenüberstehen.
Einen einfachen Test bietet der Blattstiel, den du an einer Stelle vorsichtig abknickst. Tritt dabei ein milchiger Saft aus, handelt es sich um einen Spitz- oder Feldahorn, während der Bergahorn an dieser Stelle trocken bleibt. Den Spitzahorn erkennst du außerdem an seinen spitz ausgezogenen, glänzenden Blattlappen, und der Feldahorn hat deutlich kleinere Blätter als seine beiden Verwandten.
Im Herbst helfen dir die Früchte bei der Bestimmung, die viele Menschen aus Kindertagen als „Nasenzwicker“ kennen. Beim Bergahorn reifen sie im September und Oktober, werden etwa sechs Zentimeter lang und tragen zwei Flügel, die ungefähr im rechten Winkel zueinander stehen. Beim Feldahorn liegen die Flügel dagegen waagrecht in einer Linie, und den Eschen-Ahorn erkennst du an seinen gefiederten Blättern, die eher an eine Esche erinnern als an einen Ahorn.
Die Flügelsamen segeln mit dem Wind über eine gewisse Strecke, sodass auch eine Weide ohne eigenen Bergahorn betroffen sein kann, wenn in der Nähe einer steht. Die britische Vereinigung der Pferdetierärztinnen und Pferdetierärzte weist darauf hin, dass der Wind Samen sogar mehrere hundert Meter weit über benachbarte Felder und Wiesen tragen kann. Ein Rundgang entlang der Hecken und Höfe rund um die Weide zeigt dir, wo Bergahorne stehen und aus welcher Richtung die Samen kommen können.
So bleibt die Herbstweide sicher und entspannt
Am einfachsten weichst du im Herbst und im Frühjahr auf eine Weide ohne Bergahorn in der Nähe aus, auf der dein Pferd unbeschwert grasen kann. Ist das schwer möglich, lassen sich die Bereiche unter und neben den Bäumen mit einem Weidezaun großzügig abtrennen, weil sich die Samen auch über die Baumkrone hinaus verteilen. Liegen trotzdem Flügelsamen im Gras, lohnt sich ein regelmäßiges Absammeln besonders nach windigen Tagen.
Für die Monate von Oktober bis Dezember und für das Frühjahr empfiehlt ein Merkblatt der Schweizer Pferdeberatung, die Weidezeit auf weniger als sechs Stunden am Tag zu begrenzen. Bei kurz abgefressenem Gras gehört reichlich gutes Heu dazu, damit dein Pferd satt ist und wenig Anreiz hat, nach Blättern und Samen am Boden zu suchen. Das Heu bietest du am besten in einer Raufe oder einem Heunetz an einer Stelle fern von Ahornbäumen an, statt es auf den Boden zu legen.
Im Frühjahr sprießen aus liegengebliebenen Samen junge Keimlinge, die du am besten entfernst, solange das Gras noch kurz ist und sie gut zu sehen sind. Ausgerissene oder abgestorbene Keimlinge nimmst du dabei ganz von der Weide, weil der Stoff auch in den abgestorbenen Pflanzen erhalten bleibt. Beim Heu lohnt sich außerdem ein kurzes Gespräch mit dem Hof, von dem es stammt, denn Heu und Heulage von Wiesen neben Bergahorn oder Eschen-Ahorn eignen sich nicht als Futter für Pferde.

Unser Tipp
Bewährt hat sich ein kleiner Herbstrundgang über die Weide nach windigen oder stürmischen Tagen, denn dann liegen besonders viele frische Flügelsamen im Gras. Mit einem Eimer sammelst du die Samen rund um den Zaun ein, und dein Pferd kann danach in Ruhe weitergrasen. Verbindest du den Rundgang mit einem Blick in die Bäume der Umgebung, kennst du bald jeden Bergahorn rund um deine Weide.
Anzeichen, bei denen deine Tierarztpraxis gefragt ist
Die Anzeichen setzen meist plötzlich ein, ohne dass dein Pferd vorher gearbeitet oder sich besonders angestrengt hat. Typisch ist ein steifer und unsicherer Gang, zu dem starkes Schwitzen und Muskelzittern sowie ein dunkelbraun verfärbter Urin hinzukommen können. Manche Pferde zeigen Anzeichen einer Kolik oder legen sich hin und mögen nicht mehr aufstehen, während viele von ihnen erstaunlicherweise weiterfressen.
Bemerkst du solche Anzeichen in der Weidezeit, empfiehlt sich ein sofortiger Anruf in deiner Tierarztpraxis oder beim tierärztlichen Notdienst, denn für betroffene Pferde zählt eine rasche Behandlung. Hilfreich sind dabei Angaben dazu, auf welcher Weide dein Pferd stand, wie lange es dort war und ob in der Nähe Ahornbäume wachsen. Behalte bis zum Eintreffen der Praxis auch die Weidepartner im Blick und hole die übrigen Pferde am besten von dieser Weide, weil sie dieselben Samen gefressen haben können. Ähnlich wie bei Kastanien und Eicheln für Hunde hilft der Praxis außerdem ein Blatt oder ein Flügelsamen vom verdächtigen Baum bei der Einschätzung. Speicherst du die Nummer deiner Tierarztpraxis und des Notdienstes schon vor dem Herbst im Handy, hast du sie im Fall der Fälle gleich zur Hand und bist für die goldene Weidezeit gut vorbereitet.
Checkliste für die Herbstweide
- Bergahorn am Blatt erkennen
- Milchsaft-Test am Blattstiel
- Flügelsamen regelmäßig absammeln
- Ahornbereiche großzügig abzäunen
- Weidezeit im Herbst verkürzen
- Reichlich Heu in der Raufe
- Keimlinge im Frühjahr entfernen
- Nummer der Tierarztpraxis griffbereit
Fazit
Samen und Keimlinge sowie Blätter von Bergahorn und Eschen-Ahorn können bei Pferden die atypische Weidemyopathie auslösen, vor allem im Herbst nach kühlen Tagen und im Frühjahr zur Zeit der Keimlinge. Spitzahorn und Feldahorn gelten dagegen als unbedenklich, und am Milchsaft im Blattstiel sowie an den Flügelsamen lassen sich die Arten gut unterscheiden. Da die Samen mit dem Wind segeln, gehört auch die Umgebung der Weide zum aufmerksamen Blick dazu.
Eine Weide ohne Bergahorn, großzügige Zäune um die Bäume, kürzere Weidezeiten in der Risikozeit und reichlich Heu aus der Raufe machen die Herbstweide für dein Pferd zu einem entspannten Ort. Zeigt ein Pferd plötzlich einen steifen Gang mit Schwitzen und Muskelzittern oder dunklen Urin, empfiehlt sich ein sofortiger Anruf in der Tierarztpraxis. Angaben zur Weide, zur Weidezeit und zu Ahornbäumen in der Nähe erleichtern dem Praxisteam dann die Einschätzung.
Die Angaben geben den Stand vom 14. Oktober 2026 wieder. Grundlage sind die Information der Klinik für Pferde und des Instituts für Tierernährung der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover zur atypischen Myopathie, das Merkblatt „Achtung Atypische Myopathie“ des Landwirtschaftlichen Zentrums Liebegg (2025), Hinweise der British Equine Veterinary Association (BEVA) sowie die Baumartenbeschreibungen der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft und der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Der Beitrag ersetzt keine tierärztliche Beratung im Einzelfall.
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Redaktion Early Paws


